| Hauptstadt | Tallinn |
| Fläche | 45.226 km² |
| Einwohnerzahl | 1.332.893 |
| Währung | EEK (Estnische Krone) |
| Zeitzone | UTC +2 (EET), UTC+3 EEST (März - Oktober) |
| Amtssprache | Estnisch |
Estland ist seit dem 20. August 1991 wieder ein selbständiger, demokratischer Staat. Der offizielle Name lautet: „Eesti Vabariik“ (Republik Estland), kurz „Eesti“ (Estland). Von den benachbarten Finnen wird das Land nach einer historischen Bezeichnung „Viro“ genannt, die Letten sagen „Igaunija“, die Literatur „Estija“ und die Russen „Estonija“.
Als Staatswappen fungiert das Stadtwappen von Tallinn, das auf die dänische Gründung im Jahre 1219 zurückgeht und damit historische Kontinuität unterstreichen soll. Nach der Verfassung von 1992 besteht das estnische Parlament aus 101 Abgeordneten mit vierjährigem Mandat, aus deren Mitte der Ministerpräsident gewählt wird. Der derzeitige Amtsinhaber ist Juhan Parts (seit April 2003), der eine Koalitionsregierung aus Res Publica, Reformpartei und Bürgerunion anführt. Estlands Politik ist klar an der Integration in die Europäische Gemeinschaft orientiert und kann dabei auf die Unterstützung der skandinavischen Länder zählen.
Ab 9000 v. Chr.: Einzelne Spuren zeigen, dass das Gebiet des heutigen Estland eines der ältesten Siedlungsgebiete on Nordeuropa darstellt.
Ab 5000 v. Chr.: Finnougrische Volksstämme gelangen vom nördlichen Asien ins Baltikum. Sie gelten als die Vorfahren der Esten.
Bis 500 n. Chr.: Der Handel mit Bernstein hat sich über viele Jahrhunderte entwickelt und erreicht einen Höhepunkt: Handelswege unter Ausnutzung von Flussläufen und Alpenpässen reichen bis ans Mittelmeer und nach Ägypten. Von Osten und Südosten her werden die baltischen Völker von Slawen bedrängt und dadurch gezwungen, sich endgültig im Ostseeraum festzusetzen. Die Esten siedeln als Dorfgemeinschaften, Städte wie Tallinn oder Tartu gehen auf damalige Dorfbefestigungen zurück.
Ab 800: Ein Teil der Esten hat inzwischen durch Seeräuberei die Dänen und Schweden auf den Plan gerufen, die erste Unterwerfungsversuche machen.
1523: In den Städten Livlands gewinnt die Reformation an Einfluss, zunächst bei der deutschen Oberschicht, bald danach auch bei den einheimischen Bauern. Darin kommt eine klare Abneigung gegenüber dem Orden und der kastholischen Kirche zum Ausdruck. Ein 1535 erschienener lutherischer Katechismus ist das erste bedeutende Buch in estischer Sprache.
1558 bis 1583: Livländischer Krieg. Das Heer Ivans des Schrecklichen marschiert in Livland ein, das sich an Polen anschließt, während Estland unter schwedische Herrschaft gerät und die Insel Saaremaa 1559 durch den Bischof an Dänemark verkauft wird. Ohne Unterstützung kann sich der letzte livländische Ordensmeister nicht halten und löst 1562 den Orden auf. Schwedische Heere drängen die Russen bis 1581 zurück. Der Frieden von Zapol´e besiegelt die entstandene Aufteilung des Territoriums.
1629 bis 1710: Schwedische Herrschaft. Die Versuche der Schweden, die Polen zu verdrängen und auch den Süden Estlands zu erobern, führen bis 1629 unter Gustav II. Adolf zum erfolg, 1645 kommt auch die Insel Saaremaa an Estland zurück. Die Schweden setzen sich für die Schaffung estnischer Schulen ein und gründen 1632 die Universität Tartu als zweite im Baltikum. Sie schränken die Macht der Feudalherren ein, doch zu der von den Esten erhofften Abschaffung der Leibeigenschaft kommt es nicht. Zwischen 1656 und 1661 gibt es kriegerische Auseinandersetzungen mit Russland.
1700 bis 1721: Nordische Kriege. Mit Beginn des neuen Jahrhunderts versuchen die Russen erneut, in Estland Fuß zu fassen. In der Schlacht von Poltava 1709 werden die Schweden besieg, und im folgenden Jahr schon hat Zar Peter der Große das ganze Land in seiner Macht. Die Stadt Tartu wird vollständig zerstört, die Einwohner deportiert. Im Frieden Nystad muss Schweden 1721 Estland und Livland an den Zaren abtreten.
1739: Einführung der Leibeigenschaft für Bauern. Die erste vollständige Bibelübersetzung in estnischer Sprache erscheint.
1802: Die Universität Tartu nimmt als deutschsprachige Universität Dorpat den Lehrbetrieb wieder auf und wird zum geistigen Zentrum des nördlichen Baltikums.
1838: Gründung der Gelehrten Estnischen Gesellschaft in Tartu. Beginn des nationalen Erwachens.
1869: Erstes gesamtestnisches Sängerfest.
24. Februar 1918: Ausrufung der Republik Estland, Freiheitskämpfe.
1920: Frieden von Tartu. Russland verzichtet auf Estland.
1922: Aufbau des Nationalstaats.
1939/40: Hitler-Stalin-Pakt: Umsiedlung der Deutschbalten, Estland wird sowjetrussisch.
1941-1944: Deutsche Besatzung.
1945-1988: Russifizierung Estlands.
1989: Eine Menschenkette zieht sich in Erinnerung an den Hitler-Stalin-Pakt quer durchs Baltikum.
1991: Estland erklärt sich für unabhängig. Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen mit Deutschland. Estland tritt der UNO bei.
1994: Die letzten russischen Truppen verlassen das Land.
2004: Estland wird Nato-Mitglied und tritt der EU bei.
Knapp 1,4 Millionen Menschen leben in Estland, die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei nur 35 Einwohner pro Quadratkilometer. Vor allem moorige Gebiete, aber auch einige Küstenregionen und etliche Inseln sind kaum bewohnt.
Über 70 % der Gesamtbevölkerung konzentrieren sich in den städtischen Zentren des Landes, wobei Tallinn allein fast ein Drittel der Esten beherbergt. Die nächstgroße Stadt ist Tartu mit rund 120 000 Einwohnern. Diese Bevölkerungsverteilung wirft auch ein Licht auf die Wirtschaft: Noch 12 % der Esten sind in der Landwirtschaft tätig (vor allem Viehzucht), die Industrie gibt fast einem Drittel der Bevölkerung Lohn und Brot.
Bedeutende Wirtschaftszweige sind die Textilindustrie und die Lebensmittelverarbeitung, aber auch die Holzindustrie. Die Gesamtbevölkerung unterteilt sich in gut 61% Esten, ca. 30% Russen, 3% Ukrainer und knapp 2% Weißrussen. Der hohe Anteil der russischsprachigen Bevölkerung ist auf die Umsiedlungs- und Bevölkerungspolitik Moskaus nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen.
Die Russen konzentrieren sich in den Industriegebieten im Nordosten des Landes sowie der Hauptstadt Tallinn. 96% der Einwohner der Grenzstadt Narva sind Russen, und auch die Bewohner der Stadt Paldiski – früher Militärzone – sind größtenteils slawischsprachig. Eine anarchische finno-ugrische Volksgruppe, die Setud, lebt seit Alters her am Peipus-See; sie sprechen eine eigene Sprache und sind wegen ihrer hübschen Volkstrachten und ihres Liedguts bekannt.
Besondere Erwähnung verdienen darüber hinaus die rund 16 000 Ingermanländer, die sich seit dem Zweiten Weltkrieg in Estland ansiedelten. Auch sie sind finno-ugrischer Abstammung und lebten vorher im Gebiet der Stadt St. Petersburg. Die sprache der Esten gehört wie das verwandte Finnische der finno-ugrischen Sprachfamilie an, deren Verbreitungsgebiet sich von Lappland bis zum Ob in Westsibirien erstreckt und die fast 20 unterschiedliche Sprachen ausgebildet hat. Während jedoch beispielsweise Esten und Ungarn keine gemeinsame Unterhaltung gelingt, können sich Esten und Finnen relativ problemlos verständigen, den 60% der Wortstämme beider Sprachen sind identisch.
Die Esten sind vorwiegend protestantisch, es gibt orthodoxe Gemeinden, eine estnische apostolische orthodoxe Kirche und eine kleine katholische Gemeinde. Ein orthodoxes Nonnenkloster in Pühtisma gehört zum Landkreis Jögeva