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Reisedatum: 29. Januar 2012 | in Südamerika II | 250 mal gelesen | Bericht kommentieren
Lange war ich nun in Sucre. Fast 3 Wochen. Aber es war eben auch einfach wunderbar. Alle die da waren, wollten so wie ich zwei bis drei Tage bleiben. Am Ende wurde nicht nur einmal die Abreise auf den nächsten Tag verschoben. Maniana, maniana.
Nun aber, nach 2 wunderbaren Geburtstagen, einigen Spiele/ Pokerabenden, sonnigen Vormittagen auf der tollen Terasse und vielen interessanten Gesprächen mit Menschen aus der ganzen Welt, habe ich mich schweren Herzens von diesem tollen kolonial geprägten Sucre losgerissen.
Pascal, mit dem ich nun seit Weihnachten unterwegs war, ist in Sucre geblieben. Er hat den "Absprung" noch nicht geschafft. Mein Reiseehemann geht jetzt andere Wege.
Wir haben uns auf ein "bis bald" geeinigt um dramatischen Aufwiedersehensszenen aus dem Weg zugehen. Ich hoffe, wir sehen uns wirklich nochmal wieder... wenn nicht hier, dann ganz sicher in Österreich oder in Deutschland. Buena suerte, Pascal.
Bolivien ist zwar (noch) nicht unbedingt eins der meistbesuchten Reiseziele Deutscher (zum Glück!?), aber eins der interessantesten wie ich finde. Bolivien hat so viel zu bieten... Die Natur, die Menschen, die Sprache. Von den Bergen bis zu den Yungas (ein riesiges kaum erschlossenes Amazonas-Urwaldgebiet), das höchste Skigebiet der Welt zu der höchsten Stadt der Welt Potosí, über riesige Sanddühnen bis zum Titicacasee... Sicherlich ist hier die Gefahr, dass man Opfer
eines Raub- oder Gewaltverbrechen wird sehr hoch, da die Armut eben riesig ist. Deshalb ist es wichtig, sich an einige Grundregeln zu halten - dann passiert einem auch nichts und man kann ohne schlechte Gedanken dieses wunderbare Land genießen. Ich habe Abstand zu diesen unzähligen Horrorgeschichten genommen. Wahrscheinlich ist die Gefahr bei dem bolivianischen Fahrstiel überfahren zu werden viel größer...
Eine Zusammenfassung, was ich alles so erlebt und gesehen habe:
Märkte voller frischer Gemüse - ein traumhhaftes Angebot exotischer Früchte - ein täglicher Obstshake für (30cent/ 2 Gläser bei unserer Obstmutti) - auch zum Mitnehmen in einer Tüte - in Tüten gibt es auch Eier zu kaufen, Mehl, Butter...alles - es gibt Schweinenasen und -hufen zu kaufen - das Hupen der Autos macht an einer Kreuzung klar, dass jemand kommt, angehalten wird aber nicht - Cornflakes werden auf der Straße in Massen aus Schubkarren (!) verkauft - es gibt kleine mobile Pizzaöfen die überall auf der Strasse zu finden sind - wichtige Sachen, egal wie einfach sie zu lösen sind, werden auf "maniana" verschoben - Schuhputzer verstecken ihr Gesicht unter einer Maske - die Strassen sind voll mit priv. Bussen und Taxis und alle sind vollgestopft mit Menschen - die meisten Autos haben Amaturschutz aus Fell oder Stoff mit Bommeln dran puls Diskobeleuchtung und extrem nervigen Arlarmanlagesound, die fast schon beim vorbeigehen anspringen aber dafür nicht mehr aufhören - Kinder bis Ü65 Jährige verkaufen Tag und Nacht von Uhren über Klamotten bis massenweise Pan (Brot) - Lamaföten werden bewusst frühzeitig abgetrieben und an jeder Straßenecke verkauft (getocknet, mit oder ohne Fellansatz) da sie angeblich Glück bringen - Rollstuhlfahrer haben es extrem schwer bei diesen kaputten stufenreichen Straßen - es gibt Verkaufsstraßen wo ein Laden neben dem anderen Fruchtshaks verkaufen, die nächste Straße nur Mittagessen, die nächste Meile nur Farbe zum Beispiel...und alles zum selben Preis!?? - Käse ist extrem teuer - fast alle Frauen haben 2 geflochtene Zöpfe bis zum Hintern, einen hohen zylinderartigen Hut auf, eine Schürze um und ein knallbuntes Tuch auf dem Rücken, in dem sie meistens richtig viel tragen - ich werde Mamita genannt! (uvm)
Etwas umständlich ging es zu wenn ich an unsere Abreise mit dem Bus denke. Wichtig zu wissen ist, dass man eine Gebühr bezahlen muss, quasi wie ein Eintritt zu dem den Terminal. Und danach sollte man wissen, dass das Gepäck nicht auf den Terminal kommt sondern eine Etage oberhalb abzugeben ist, dort wird dann ein "Zettelchen" an dem Gepäckstück angebracht, um es dann umständlich mit einem Seil an einem Haken über den Balkon und aller Reisenden abzuseilen... Nun ja.
Am Bahnhof hab ich dann lustiger Weise mit einem Erfurter gesprochen, der die Familie Pohl aus Mgn kennt... ;) Leider nur 2
Minuten Zeit zum Reden gehabt. Und tschüss...
Die Fahrt war an sich problemlos. Immer gut, im Nachhinein zu erfahren, dass man sich glücklich schätzen kann, wenn man diese Fahrt überlebt hat!!! Und heute stand in der Zeitung, dass vor 2 Tagen wieder ein Unfall mit Toten war. Klar, überall gibt es Autounfälle - auf dieser Route zählt man einen Toten pro KM! Kay, falls du das liest, euch passiert nix, keine Angst! *hüstelhüstel*
Deswegen haben sie die Deathroad jetzt zum größten Teil gesperrt und nur noch als Touriattraktion zum Downhill angeboten. Ja, ich bin auch am überlegen, ob ich 4 Stunden Abfahrt mit genialer Ausrüstung + Spitzenbike und knappen 3000 Höhenmetern mit wahninns Aussicht machen möchte... ich werde auf meine Jungs aus Regensburg warten.
Der heutige Tag war ähnlich spannend.
Eine interessante Busfahrt mit einem Bus aus dem ähm 18. Jahrhundert!? Das wir ohne Platten davon gekommen sind - unglaublich. Am Refugio wurden der Bus ausgeschüttet und die letzten Meter durften die faulen Touris dann selber gehen - ABER ich kann nun sagen: ich habe einen 5430m Berg bestiegen!
Zwar mit Atembeschwerden wie bei einer Herzinsuffizienz, eben als würde man 20 Kilo mehr mit sich auf einen klitzekleinen Hügel schleppen...Auch Argentinien war mit am Start, im kurzen Jeansröckchen ist sie aber dann im Refugio klappernd sitzen geblieben. Wie kann man denn nur denken, dass es da oben vielleicht etwas kälter werden könnte. Mit Hagel und leider unendlich viel Nebel sind wir dann aufgestiegen. Poco a poco - durch etwas Schnee - und da habe ich nochmal gründlich über meine Pläne nachgedacht, Anfang März auf den Huayna Potosí 6088m zu steigen. Das wäre schon nochmal ein anderes Kaliber - mit Steigeisen, Eispickel und Gletscherspalten. Es sei ein Berg für Anfänger, man wird sogar ein paar Stunden nur mit Einüben in die Funktion der Materialien verbringen. Manche kehren vor dem Gipfel um wegen Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen. Aber bis März habe ich ja noch Zeit. Der nächste Trek wird weniger peligroso. Mein sächsisches Pärchen Bea und Michael sind meine aktuellen Reisebegleiter... (desculpen!??) Torsten (bekannt vom letzten Trek) kommt eventuell auch noch dazu und dann startet die deutsche Reisegruppe in Berge der Cordillera Real - Choro-Trail (4882m) über 3 - 4 Tage. Mit zelten, Gaskocher und Wanderstöcken.Enden wird diese Tour auf 1270m. Ich bin gespannt.
Vorher muss ich mir noch einen Stempel holen um meinen Aufenthalt zu verlängern, 90 Tage sind möglich. Ich dachte nach 30 Tagen bin ich hier bestimmt schon längst wieder weg ;)
...die Weiterreise wird nach Copacabana gehen. Am 2.2. wollen wir da spätestens sein um das Miniaturfest - oder auch Alasitas zu erleben: boliviens Festival der kleinen Wünsche, findet jährlich in verschiedenen Städten zu unterschiedlichen Zeiten statt.
Die größte Messe findet in La Paz statt (welches die Marie wegen dem tollen Sucre + CO verpasst hat). Es werden die jeweiligen Wünsche in Mini gekauft, auf dass sie bald in Echt erscheinen.
Was würde ich mir denn kaufen? Ich bin am überlegen... allerdings kann es nichts besseres als "keinen Wunsch" geben - den Wunsch dieser Reise habe ich mir und dank meiner Familie ja schon erfüllen können! Ich bin einfach wunschlos glücklich und gesund. Sicher kann es immer mehr Geld sein, aber so wie es eine Studie (Dank an den Hase) gezeigt hat, machen materielle Sachen auf Dauer nicht glücklich! Es sind mehr die Gedanken und Erinnerungen an zum Beispiel (m)eine Reise die einen viel länger das Gefühl des Zufriedenseins und des Glücklichseins geben.
Was würdet ihr euch denn kaufen?
Bei meinem zuckersüßen Reisepaar glaube ich jedenfalls zu wissen, was sie sich kaufen werden: ein Baby :) ich drücke die Daumen!
Hasta luego,
eure Marie
01. Februar 2012, 00:06 | Marie
Oh schön, von euch zu lesen :) Ich bin hier im Milenio auf der Yanacocha, sehr familiäres Hostel, 40 BP + 13 für ein schönes Frühstück!!! Besser gehts nicht. Wir reisen allerdings morgen ab, da das Fest in Copacabana ruft! Wäre so schön, euch wieder zu sehen! (Wildrover & Loki Hostel sind pure Partyhostel mit wenig schlaf) Liebe Grüße Marie
31. Januar 2012, 22:36 | Debora Schneider
Hi Marie, Sehr spannend deine Reiseberichte. Wir sind nun auch in Sucre- hast recht, es fellt einem schwer diesen Ort zu verlassen!!!! Bei uns geht es morgen weiter nach LA PAZ. Bin gespannt ob wir nochmals irgendwo sehen! Mir wuenschen dir weiterhin viel spass beim reisen! glg Debi und Stef (aus der Schweiz)