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Reisedatum: 21. Januar 2012 | in Südamerika II | 126 mal gelesen | Bericht kommentieren
Musik: Zaz - Je veux, Calle13 - Latinoamérica
Maragua Krater
So, da sitze ich nun. Fühle mich jetzt, nach dem ich gestern den ganzen Tag im Bett lag ziemlich zerschlagen und mein Magen und Darm lässt mir keine Ruhe. Was hab ich da wohl wieder falsches gegessen? Alle meine Wandersfreunde der letzten 4 Tage sind wohl auf und top-fit! Marscha, die Mutti des Hostels (62 Jahre alt und glaube seit 1 Monat Gast hier im Gringo Rincon) meinte, ich sei von meinem letzten Infekt noch nicht ganz fit gewesen und die Tour war schon echt anstrengend... dafür aber wirklich wunderschön!!!
Condor ist ein non-profit Unternehmen, die Treks wirklich sehr günstig anbieten (4 Tage mit allem außer Wasser 78Euro!). Mit dabei waren Torsten (München), Bob (Holland), Dalia (Volontär), Michael und Bea (Leipzsch) und unser Guide Rogelio. Eine spitzen Truppe, wir haben uns echt super verstanden und hatten ein Tempo! Los ging es um 5 Uhr morgens, mit dem Bus nach Chotaquila, einandhalb Stunden von Sucre weg. Da gabs das übliche Frühstück, Bananen, Kekse mit Marmelade, Kaffee, Tee, heiße Schoki oder Api (typisch bolivianisches Heißgetränk, was für meinen Geschmack echt verdammt süß ist, wird glaube hauptsächlich aus Mais und Zucker hergestellt). Danach wurden Teller und Tassen und verschiedene Lebensmittel auf alle verteilt. Trotzdem hatte der kleinste, Rogelio, das meiste zu schleppen, der Rucksack war fast größer als er...nach ein paar Stunden verteilten wir auch seine Sachen nochmal auf, da seine Hände ständig eingeschlafen sind (Plexus halt). Wir starteten auf 3500m und gingen ca. 3 Stunden bergab, besuchten noch eine Höhle und 2000 Jahre alte Inkamalereien. Überqueren einer etwas instabilen Holzbrücke stellte sich für uns Mädels als kleine Herausforderung da. Weiter am Fluss entlang, durch wahnsinnige Felsformationen bis zu unserer ersten Unterkunft nach Chahunaca. Ein Mittagspäuschen mit der dazugehörigen Siesta gabs natürlich auch, mit der Auswahl von wunderbar reifer Avocado, Tomaten, Gurken, Salat- u. Spinatblättern, Ziegenkäse und Eiern (das gabs 3 Tage lang - und es war jedes Mal wieder sooo lecker!). Die Siesta fand unter einem riesigen Baum direkt am "Fluss" statt, leises rauschen, der Wind in den Bäumen brachte ständig frischen Eukaliptusgeruch herüber.. hmmm... So weit wir auch gingen, wir begegneten mehr Schweinen, Kühen, Ziegen, Schafen, Hühnern und Eseln als Menschen. Wenn wir Kindern über den Weg liefen, versuchten diese ihre selbergemachten Armbänder zu verkaufen. Den Schüchternen gaben wir Obst oder Bonbons, den Fordernden: "Plata-Plata!" sollten wir nichts geben. Von diesen wurden wir teilweise dann auch echt festgehalten oder mit "mala-mala" (=böse, schlecht) beschimpft. Den Erwachsenen gaben wir Cocablätter, traditionell werden beide Hände zu einer Schale geformt und ihnen dann 1-2 Hände der Blätter gegeben. Da oben in den Bergen gibt es keine Möglichkeit anders an das Coca zu kommen, sie leben quasi von den Touris die durch ihre Berge wandern. Coca hält den Mund feucht und lässt das Gefühl von Hunger und Durst verschwinden.
In Chahunaca angekommen, bezogen wir unser kleines rustikales Häuschen. Ich beschloss, die Toi`s auf meiner ganzen Weiterreise in Bolivien nicht mehr genauer anzusehen... Die Sachsen hatten Musik - Zaz dabei und unserer Guids kümmerten sich ums Essen. Ein großes Unwetter zog auf und wir standen wie kleine Kinder draußen und bestaunten das Wetterleuchten bis die ersten Regentropfen fielen. Zum Essen gabs dann Tütensuppe - hauptsache heiß ;) und Quinoa mit Gemüse. Quinoa wird auch als Inkareis bezeichnet und hat sehr viel Eiweiß. Leicht und lecker :) Danach gabs noch ein kleines Gläschen Bier, was wir in dem einzigsten Shop in diesem kleinen Dörfchen bekommen konnten. Ich glaube, da hat schon lange keiner mehr eingekauft, so eingestaubt wie die Flaschen waren. Im Grunde läuft das in diesen Bergdörfern so das getauscht wird. Brauch ich ein Huhn, gebe ich ein Schweinchen... Auf jeden Fall waren wir froh Rogelio dabei zu haben, Ketschua ist wirklich eine hart zu lernende Sprache. Mit Spanisch kommt man da nicht weit. Haku! heißt vamos! heißt los gehts! oder aus Wiki entnommen: Runasimita qillqaytam munani. = Ich will Quechua schreiben lernen. Sehr schwer für meine Gehörgänge das abzuspeichern. Rogelio hatte viel Geduld mit uns.
Wir breiteten unser Schlaflager aus und kuschelten uns nebeneinander, Bea wollte die ganze Zeit noch Ferienlager spielen und Geschichten erzählen. Was am Ende rauskam, waren lustige Übersetzungen vom Deutschen wortwörtlich ins Englische, z. B.: "This is not the yellow from the egg, but it go`s" oder "You can slide down on my back" oder "she is washed with all waters" oder "let the curch in the town" und das ganze noch mit sächsischem Akzent, herrlisch! :) Danach war ziemlich schnell Ruhe und auch die Marie vergaß ihre Angst vor Spinnen und Monsterfaltern - die waren echt so groß wie ausgewachsene riesen Fledermäuse!
Der nächste Morgen begann mit aufwärmen der Muskeln und Gelenke mit Blick auf die Berge in der aufgehenden Sonne. Nach dem Bananen-Kaffee-Frühstück gings dann los zum Krater. Wir waren echt ziemlich zügig, so dass wir frühzeitig an unserem Lunchpoint ankamen, mit toller Sicht auf den Krater. Auf dem Weg der Teufelsstraße, bekamen wir in seiner Höhle sitzend eine Gruselgeschichte erzählt... Bea und ich waren froh als wir aus dieser wieder draußen waren, schließlich ging es ohne Absicherung ca. 200 Meter in die Tiefe. Wir waren 2 Stunden später schon bei unserer nächsten Übernachtung in Mitten des Kraters in Irupampa. Da gabs außer 2 Kinder die neugierig und schüchtern uns beobachtend an der Tür standen, 2 Esel und 2 Bullen nichts weiter. Die Toi erinnerte mich an eine Folge von Scrubs, im Nichts geht eine Treppe hoch zu einem klitzekleines Häuschen. Gespühlt wird hier mit Sand - zack und weg aus dem Sichtfeld. Gewaschen wurde im freien, mit kaaaaltem Wasser - was aber gar nicht schlecht war nach 2 Tage Schwitzen. Weißen Tigerbalsam, Tape und eine Wadenmassage hab ich verteilt und schon gabs wieder Essen. Rogelio lernte uns ein bolivianisches Würfelspiel (vereinfachte Form vom bay. Bauernfeind) und um neun gingen bei allen die Lichter aus.
Mit Sonnenaufgang gings an die Härteste Stelle des Treks - hoch auf die Kraterwand, 1,5h kontinuierlicher Aufstieg, von unten sah das echt nicht so steil aus... Da war das Coca im Mund wirklich toll, kein Austrocknen des Mundes. Oben angekommen, gabs Nüsse und einen Apfel. Die Aussicht - die Belohnung! Eine weitere Belohnung war bei unserem Mittagsplätzchen ein kühles Bier! Hmm.. :)
Nach dem Mittag und dem dazugehörigen Schläfchen ging es zu den Spuren der Dinos die das letzte Erdbeben freigelegt haben soll. Bea und ich konnten das nicht so richtig glauben und bildeten wilde Theorien, dass die Bolivianer hier mit Gasbrenner standen und die Spuren selber legten ;)
Angekommen in unserer letzten Übernachtung in Potolo nach weiteren 4 Stunden hartem Gehen und aller 15 min wechselnder Landschaft. Von Mondlandschaft zu Felswänden, über lila-blau-rote Erde bis hin zu grasgrünen Feldern. Ich verabschiedete mich etwas früher von den anderen, da es mir einfach nicht gut ging und ich körperlich nach einer kleinen Rühreimahlzeit so was von in den Keller gefahren bin... das war die schlimmste Nacht seit langem, kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so beschissen geschlafen habe. Fieber, Schüttelfrost, schmerzender Körper und Bauchkrämpfe! Na toll!
Heute ist "nur noch" ein Magen-Darmproblem übrig, morgen ist hoffentlich alles vorbei, damit ich an meinem Geburtstag aktiv teilnehmen kann... na auf der anderen Seite brauch ich zur Zeit nur ein paar Bananen am Tag, günstiger gehts nicht ;)
Die nächste Tour soll am Montag starten, nach Oruro mit den Sachsen zum trekken. Wenn ich fit bin mach ich mit, wenn nicht, werd ich wohl durchfahren nach La Paz.
Fühlt euch gedrückt,
eure Marie
Zur Musik: Calle13 singen in Latinoamerica:
Tú no puedes comprar al viento. Tú no puedes comprar al sol. Tú no puedes comprar la lluvia. Tú no puedes comprar el calor. Tú no puedes comprar las nubes. Tú no puedes comprar los colores. Tú no puedes comprar mi alegría. Tú no puedes comprar mis dolores.
Was heißt:
Du kannst den Wind nicht kaufen, auch die Sonne nicht, den Regen nicht, die Hitze nicht, die Wolken nicht, die Farben nicht, das Glücklichsein und auch das Traurigsein/ den Schmerz nicht. Mein Land ist nicht zu kaufen. Wir lieben unser Leben in Lateinamerica...
einfach mal bei Youtube ansehen und hören!
eines der besten Texte und ein wunderbares Video!